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Wiedersehen mit dem «Das Leben der Anderen»-Star

«Werk ohne Autor» ist eine emotionale Achterbahnfahrt durch drei Epochen deutscher Geschichte, die den Wahnsinn und die Tragik des 20. Jahrhunderts anhand von drei Schicksalen beleuchtet.

Florian Henckel von Donnersmarck und der Schauspieler Sebastian Koch haben im Jahre 2006 mit dem DDR-Drama «Das Leben der Anderen» einen Oscar gewonnen. Seit Jahren verbindet sie eine sehr enge, vertrauensvolle Freundschaft: «Wir unterhalten uns regelmässig und tauschen uns aus über die Dinge, die uns beschäftigen, die Stoffe, die uns interessieren, die Projekte, an denen wir arbeiten», sagt Sebastian Koch. «Ich erinnere mich noch, wie er mir erstmals von seiner Idee für ‚Werk ohne Autor‘ berichtete. Mir war sofort bewusst, dass es ein aussergewöhnlicher Stoff war, der viel mit Florian zu tun hat, mit den Dingen, die ihn beschäftigen, die ihn interessieren. Im Mittelpunkt stand das Aufeinandertreffen zweier Männer, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, beide brillante Köpfe, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten und auch absolut gegensätzliche Sichtweisen vom Leben und der Welt haben. Der junge Kurt Barnert auf der einen Seite, ein Künstler auf der Suche nach seiner Stimme, erfüllt mit einem Heisshunger auf Leben, das er durch seine künstlerische Seele filtert; der souveräne, über alles erhabene Professor Seeband auf der anderen Seite, der über ein gewaltig grosses Wissen verfügt, aber emotional völlig verarmt ist. Die Ironie ist, dass beide grosse Meister auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, sie aber nicht miteinander vereinbar sind. Die Geschichte lässt sie unter einem Dach miteinander leben, nachdem Kurt die Tochter von Seeband geheiratet hat, die Konflikte sind vorprogrammiert... aber sie können unmöglich miteinander. Das ist eine starke Ausgangssituation. Aus dem Aufeinanderprallen dieser beiden gegensätzlichen Männer bezieht der Stoff seine Kraft, und es ergibt sich daraus eine wunderbare Geschichte über das Wesen der Inspiration und die Kraft der Kunst.» Es gibt eine unverkennbare Verwandtschaft mit dem Oscar-Gewinnerfilm «Das Leben der Anderen», allerdings aufgetragen auf einer viel grösseren Leinwand: «Als mir Florian davon erzählte, gab es noch kein Drehbuch, nur die Idee. Aber seine Erzählung war schon so fein, so emotional, gepaart mit einem grossen Wissen und einer grossen Intelligenz, so mitreissend, dass für mich kein Zweifel bestand, dass es sich um einen grossen Kinostoff handeln würde - und - dass ich unbedingt mit dabei sein wollte.»