Interview

Tom Schilling: «Ich habe alles ausprobiert»

In der deutschen Komödie «Die Goldfische» landet Tom Schilling nach einem schweren Unfall im Rollstuhl. Dies hindert ihn aber nicht, einen Plan zur Rettung seines Schwarzgeldes in Zürich zu schmieden.

«Ich wollte schon immer mal eine Komödie machen», sagt Tom Schilling. «Es hat aber auch einfach deshalb so lange gedauert, weil ich keine guten Komödien zu lesen bekommen habe. Und auch sonst habe ich nicht viele gesehen, bei denen ich sagen würde, dass ich hätte mitmachen wollen. Bei den meisten Mainstreamkomödien bin ich ganz froh, dass Andere sie spielen. ‚Oh Boy‘ könnte man vielleicht als Tragikomödie bezeichnen. Und die Filme, die ich mit Leander Haussmann gemacht habe, zeichnet ein anarchischer, manchmal alberner Humor aus. Aber einen Crowdpleaser hatte ich noch nie gemacht. Darauf hatte ich Lust, aber nicht auf Teufel komm raus. Oft gefällt mir nicht, dass die Figuren verraten werden von schlechten Witzen. Komik muss tatsächlich aus der Situation entstehen. Und hier sind die Situationen so glaubwürdig, so authentisch, dass man als Zuschauer ganz anders involviert ist und deswegen mit den Figuren auf eine Reise gehen kann, die immer absurder wird.» Eine besondere Herausforderung bei Schillings Rolle war Olivers Querschnittlähmung. Um den Part spielen zu können, musste er also unbedingt Rollstuhlfahren lernen: «Man muss sich damit richtig befassen und lange im Rollstuhl sitzen, um so richtig zu kapieren, was das für Probleme sind, die man in einer solchen Situation meistern muss», erklärt der Schauspieler. Bereits drei Monate vor Drehbeginn begann er sich an den Rollstuhl zu gewöhnen, zuerst ausschliesslich zu Hause, wo er Transfers übte: Wie setzt man sich um, vom Rollstuhl ins Bett oder auf die Toilette. Die eigentliche Herausforderung bestand aber darin, den Rollstuhl auf der Strasse einzusetzen: «Ich bin tatsächlich einen Tag durch Berlin gefahren und habe alles ausprobiert. Ich bin Bus gefahren, Tram gefahren, S-Bahn gefahren. Wenn ich an der Bushaltestelle stand, habe ich tatsächlich gewinkt und so signalisiert, dass ich mitgenommen werden will. Dann muss der Busfahrer aussteigen und die Rampe rausmachen. Er fragt, wo du rauswillst, aber vergisst das sofort wieder. Also muss man durch den ganzen Bus rufen und sagen: Ich möchte bitte aussteigen! Und wie schwierig es ist, mit einem Rollstuhl auch nur eine Stufe zu meistern, muss ich niemandem erzählen.»