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Meryl Streep: «… als die Frauen bessere Chancen bekamen»

In Steven Spielbergs Seventies-Mediendrama «The Post» verkörpert Meryl Streep die «Washington Post»-Verlegerin Katharine «Kay» Graham, die sich in den 1970-er Jahren in einer rauchen Männerwelt bewähren muss.

«Sie war nicht nur die selbstbewusste Katharine Graham, die sich dadurch einen Namen machte, dass sie als erste Frau eine der 500 bedeutendsten Firmen leitete», sagt Meryl Streep. «Zunächst war sie sehr unsicher, sie war ein Kind ihrer Zeit, in der die Frauen beschränkt blieben auf karitatives Engagement, gute Kindererziehung und Haushaltspflichten. Wenn man das nicht selbst miterlebt hat, kann man sich das heute kaum mehr vorstellen. Ich habe das noch erlebt. Ich war dabei, als die Frauen bessere Chancen bekamen, und ich habe davon natürlich selbst profitiert. Doch Kay Graham zählte noch zur Vorhut, fühlte sich also gar nicht wohl, als sie mit der Verlagsleitung die Zügel in die Hand nahm. Sie hat sich behauptet, als das für sie noch sehr problematisch war, denn nicht nur ihre Gegner äusserten Zweifel, sondern auch ihre Freunde. Sie muss sich damals sehr einsam dabei gefühlt haben, in dieser Situation Stellung zu beziehen. Das gilt für alle Beteiligten in dieser Story. Jede einzelne Person riskiert etwas. Und das ist meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt dieses Films: Ganz normale Menschen können wirklich etwas bewirken und den Lauf der Geschichte ändern. Eine kleine Person kann Grosses erreichen.» Durch ihre imposante Statur wirkte Graham oft dominanter, als sie sich selbst fühlte. In Streeps Verkörperung dieser Persönlichkeit spielte auch das eine Schlüsselrolle: «Ich fand es unwichtig, genauso auszusehen wie sie – es ging vor allem darum, ihre persönliche Anmut zu treffen – und das Zögern, das sich hinter ihren Entscheidungen verbarg. Das war eine sehr interessante Aufgabe».