Artikel

«Jugend ohne Gott»: Eine düstere Zukunftsvision

Frei nach Ödön von Horváth: In einer Zukunft, in der die Menschen nur noch in nutzbringend und leistungsschwach unterteilt werden, geraten Jugendliche in die Mühlen einer neuen Weltordnung.

1937 veröffentlichte der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth mit «Jugend ohne Gott» seinen dritten Roman, in dem er eine der beunruhigendsten gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit verarbeitete. Zur Zeit des Faschismus in Deutschland wird ein christlich-humanistischer Lehrer während eines Zeltlagers mit der zunehmend nationalsozialistischen Attitüde seiner Schüler konfrontiert, was schliesslich in einem tragischen Tod endet. Bereits ein Jahr nach Erscheinen wurde das Buch in acht weitere Sprachen übersetzt, in Deutschland hingegen wurde es von den Nationalsozialisten auf der Liste des sogenannten «schädlichen und unerwünschten Schrifttums» gesetzt – ein klarer Beweis für die damalige Brisanz des Stoffes. Der Aargauer «Heidi»-Regisseur Alain Gsponer war schon immer ein Fan der Vorlage, die jetzt aber in einer nicht allzuweit entfernten Zukunft spielt: «Durch einen solchen Blick nach vorn kann man gesellschaftliche Entwicklungen, die aktuell stattfinden, sehr gut weiter zuspitzen. Allzu weit in der Zukunft findet unsere Geschichte gar nicht statt, selbst wenn wir es nicht konkret verorten, aber dort haben wir inzwischen eine ganz klare Verlierer-Gewinner-Gesellschaft. Der Mittelstand existiert quasi nicht mehr und entweder man schafft es oder man schafft es nicht. Das Herunterfallen ist sehr leicht, das Aufsteigen hingegen sehr schwierig. Das sind durchaus gesellschaftliche Vorgänge, die schon jetzt stattfinden. Und die konnte man auf diese Weise sehr gut abbilden.»