Interview

Interview mit Omar Sy: "Ich habe nun mal Freude am Spielen"

Der "Intouchables"-Star Omar Sy glänzt in der schwarzhumorigen Feelgood-Komödie "Docteur Knock" als Gauner, dem man nicht böse sein kann. Sozusagen ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen.

«Docteur Knock» ähnelt keinem der Filme, die Sie bislang gedreht haben.

Omar Sy: Ich fände es traurig, wenn ich immer denselben Film drehen würde. Und es macht mir Spass, das Publikum mit Filmen zu berühren, die auch mich bewegen. Geschichten, die vom Leben erzählen, von Menschlichkeit, Licht und Hoffnung. Ich bin kein Misanthrop, denn ich bin überzeugt, dass der Mensch im Kern gut ist. Wenn es dem Kino gelingt, die Zuschauer zu unterhalten und dabei die Möglichkeit einer besseren, positiveren Welt zu offenbaren, bin ich dabei.

 

Ihre Filme aus Frankreich entsprechen diesem Credo. Warum spielen Sie dann in Hollywoodfilmen den Bösen?

Omar Sy: Wenn man als Franzose in den USA Engagements bekommt, gibt man fast zwangsläufig den Filmbösewicht. Bin ich inkonsequent? Ist mir egal, denn diese Rollen machen mir einfach zu viel Spass! Ich habe nun mal Freude am Spielen – und als Böser in einem Blockbuster aufzutreten, macht mir ebenfalls Freude. In Frankreich kann ich zum Glück aus den Angeboten auswählen – und das werde ich so lange ausnutzen, bis eines Tages die Angebote weniger werden.

 

Sie haben viele Fans. Glauben Sie, dass es Ihnen mit «Docteur Jack» gelingt, Ihr Publikum noch zu vergrössern?

Omar Sy: Es wäre natürlich traumhaft, wenn sich im Kino nicht nur die einfinden, die das Theaterstück bereits kennen, sondern auch Zuschauer, für die es eine ganz neue Erfahrung ist, und all jene, die mir bislang bei völlig anderen Filmen die Treue gehalten haben.

 

Stimmt es, dass Sie erstmals mit einer Regisseurin gearbeitet haben?

Omar Sy: Ja, und es war eine grossartige Erfahrung – sowohl in beruflicher wie auch in menschlicher Hinsicht. Lorraine Lévy hat mich nicht engagiert, weil sie einen Coup landen wollte, sondern aus sehr persönlichen Gründen. Sie hat Dinge in mir gesehen, die andere bislang noch nicht sahen – nicht einmal ich selbst. Wenn sie mir die Rolle nicht angeboten hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, so etwas zu spielen, geschweige denn, es überhaupt nur in Betracht zu ziehen. Sie hat es geschafft, mein Rollenspektrum zu erweitern.

 

Haben Sie selbst auch schon Momente erleben, in denen man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren? Nach dem «Intouchables»-Kinostart vielleicht?

Omar Sy: Ja, zweifellos. Jeder von uns macht Phasen durch, in denen man das eigentliche Ziel aus den Augen verliert. Aber man ist sich dessen selten bewusst. Das ist menschlich, und zum Glück lässt sich was dagegen tun...