Interview

Ben Stassen: «Technisch müssen wir perfekt sein»

Mit «Royal Corgi» präsentiert der langjährige Animationsfilmer Ben Stassen den Hund der britischen Königin. Er heisst Rex und ist ziemlich arrogant. Bis er auf der Strasse landet und umdenken muss.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Geschichten aus, die Sie anschliessend weiterentwickeln?

Ben Stassen: Am wichtigsten ist natürlich, dass die Geschichte interessant ist. Dann brauchen wir sympathische Figuren, die speziell auch einem jungen Publikum gefallen. In der ersten Hälfte von «Royal Corgi» ist Rex ziemlich arrogant und rücksichtslos. Er nutzt seine royale Position aus und führt sich auf wie ein Star; aber dann beginnt seine persönliche Reise: Er wird das Opfer einer Intrige, aus dem Buckingham Palast geworfen und ist plötzlich ganz auf sich alleine gestellt. So kommt es, dass der Zuschauer für ihn Gefühle aufbaut, weil er aus seinen Fehlern lernt und sich weiterentwickelt.

Wie wirkt sich ein knapp bemessenes Budget auf einen Film wie «Royal Corgi» aus?

Ben Stassen: Wir wollen Animationsfilme für den internationalen Markt machen. Technisch gesehen müssen unsere Filme also perfekt sein. Was angesichts unserer kleineren Budgets keine leichte Aufgabe ist. Wir müssen also ständig abwägen, an welcher Stelle wir das Geld am sinnvollsten ausgeben.

Hat Ihre Firma nWave Pictures einen eigenen Animation-Stil entwickelt?

Ben Stassen: Ich denke, dass wir grossen Wert auf Realismus legen. Für «Royal Corgi» arbeitete das Team häufig mit fotografischen Vorlagen, etwa das Äussere und die Innenräume vom Buckingham Palast. Wir machten uns auch den Film zunutze, der mit Daniel Craig für die Olympischen Spiele in London gedreht wurde, weil daran zu sehen ist, wie er neben der Queen und ihren Hunden einen Flur entlang läuft. Dieser Flur wurde zu einem der Hauptelemente für die Hintergründe unseres Films. Wir wollten dem Schloss und den Corgis der Queen absolut gerecht werden. Die Über-Stilisierung, wie sie typisch ist für viele Hollywoodproduktionen, wollten wir unbedingt vermeiden.